Ihr Hund als Kompass

 

Hunde sehen Magnetfeldlinien

Haben Sie sich schon einmal gefragt, ob Ihr Vierbeiner sich beim „Machen“ in eine spezielle Richtung ausrichtet? Wir bis jetzt nicht. Doch Wissenschaftler haben sich genau diese Frage gestellt.

Neuen Studien zufolge können Hunde Magnetfelder „sehen“ und norden sich meist beim Geschäft entlang der Magnetlinien ein. Wie genau Hunde das Magnetfeld wahrnehmen und wie sie die Magnetlinien sehen, ist ebenso rätselhaft wie bei Zugvögeln. Bei diesen hat man bislang festgestellt, dass sie kleine Zellen im Schnabel besitzen, die Eisenkristalle enthalten und damit wahrscheinlich das Magnetfeld  ähnlich wie unser Gleichgewichtssinn wahrgenommen wird. Doch wie funktioniert der Magnetsinn dann bei Hunden, die natürlich keinen Schnabel besitzen?

Spezielle Rezeptoren im Auge

In der Netzhaut von Hunden wurden nun Rezeptorenzäpfchen gefunden, die das magnetsensible Cryptochrom 1 enthalten.

HundekompassDiese  speziellen Rezeptoren gibt es auch im Auge verschiedener anderer Tierarten, z.B. bei Zugvögeln, Affen, einigen Bovinen und Carnivoren. Warum der Mensch dieses Cryptochrom 1 nicht besitzt, Affen wie z.B. Orang-Utans jedoch schon, stellt die Wissenschaftler vor ein Rätsel. Man vermutet verschiedene Evolutionslinien. Ob die Tiere Magnetwellen auch optisch wahrnehmen, kann nur vermutet werden. Theoretisch jedoch sind Magnetfelder ebenso wie Licht elektromagnetische Wellen, die durch geeignete Rezeptoren im Auge gesehen werden können.

Kann mein Hund mich navigieren?

Man stellte anhand von Satellitenaufnahmen fest, dass sich Rinderherden größtenteils entlang der örtlichen Magnetfeldlinien ausrichten. Ähnliches gilt wohl für den Hund, der sich bei seinem Geschäft nach Norden orientiert. Wenn Sie das nächste mal Gassi gehen, könnten Sie Ihren Hund also unter idealen Bedingungen (keine Störfaktoren, ruhiges Magnetfeld) fast schon als Kompass nutzen.

Übrigens: Falls Sie zur Kontrolle Ihren Smartphonekompass einsetzen wollen, bedenken Sie bitte, dass der geographische Norden nicht immer exakt mit den lokalen Magnetfeldlinien übereinstimmt. Daher sind Schwankungen um einige Grad möglich.

Unsere Vierbeiner sind demnach, wie wir ja alle wissen, immer für eine Überraschung gut.

 
Autor: Florestan Teilken

Quellen:
Hart, Vlastimil et al. Dogs Are Sensitive to Small Variations of the Earth’s Magnetic Field; Frontiers in Zoology 10 (2013): 80. PMC. Web. 10 Mar. (2016).
Nießner, C. et al. Cryptochrome 1 in Retinal Cone Photoreceptors Suggests a Novel Functional Role in Mammals in Scientific Reports 6 (2016).

 

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Geschrieben am Mittwoch, 23. März 2016
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