Erste Hilfe im Notfall

 

Eine lebensbedrohliche Situation
Jeder Notfall bedeutet Stress für alle Beteiligten. Wenn Ihr eigener Hund betroffen ist,  fühlen Sie sich vielleicht hilflos und haben Angst. Doch das wichtigste in einer Notsituation ist ruhig und strategisch vorzugehen. Dies gelingt am einfachsten, wenn Sie wissen, was Sie tun können.

Zustand des Tieres erfassen – das Erste-Hilfe-ABC
Prüfen Sie zuerst die lebenswichtigen Körperfunktionen des Hundes. Nur so können Sie die Situation bewerten und weitere Maßnahmen einleiten. Probieren Sie das Erste-Hilfe-ABC doch einfach mal bei Ihrem Hund zuhause, dann haben Sie im Notfall gleich die richtige Technik parat.Puls Hund

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A wie Atmung
Bestimmen Sie die Atemfrequenz. Diese ist abhängig von der Größe Ihres Hundes und beträgt ca. 10 (sehr große Rassen) – 40 (sehr kleine Rassen) Atemzüge pro Minute. Sie können die Atemfrequenz durch Fühlen des Luftstroms an der Nase mit feuchten Fingern und durch Beobachten der Brustkorb- und Bauchbewegung zählen. Hecheln wird bei der Atemfrequenz nicht mitgezählt.

B wie Bewusstsein
Beurteilen sie, ob der Hund ansprechbar ist und ob das Tier überhaupt bei Bewusstsein ist.

C wie Cardiale Funktion (Herzfunktion)
Zählen Sie die Herzfrequenz (hinter Ellbogen zwischen der 3. und 6. Rippe auf der linken Körperseite) sowie den Puls (an der Beinschlagader an der Hinterschenkelinnenseite).
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Sofortmaßnahmen einleiten
Nachdem Sie die lebenswichtigen Körperfunktionen geprüft haben, können Sie den Hund stabilisieren und ihn für den Transport zum Tierarzt vorbereiten.

Atmung
Halten Sie die Atemwege frei (Blut, Schleim, Trümmer, Erbrochenes entfernen). Falls der Hund nicht selbst atmet, können Sie eine Mund-Nasen-Beatmung versuchen. Verschließen Sie das Hundemaul mit den Händen luftdicht und umschließen Sie mit Ihrem Mund die Nase des Hundes komplett. Pusten Sie langsam für 2-3 Sekunden Luft in die Nase des Hundes, so dass sich der Brustkorb leicht hebt. Dann geben Sie für 2-3 Sekunden die Nase frei, so dass Luft wieder ausströmen kann und wiederholen danach den Zyklus. Nach 30 Atemzyklen prüfen Sie, ob die Atmung wieder eingesetzt hat. Wenn nicht, wird der Zyklus wiederholt.

Bewusstsein
Ist der Hund nicht bei Bewusstsein, ziehen Sie seine Zunge seitlich aus dem Maul. Legen Sie den Hund mit leicht überstreckten Kopf auf seine rechte Seite. Bei Schockgefahr und Kreislaufschwäche sollte der Kopf tiefer als der Körper liegen – hat Ihr Hund jedoch Atemnot, sollte der Kopf höher als der Körper liegen. Halten Sie Ihren Hund warm und wickeln Sie ihn z.B. in eine Decke.

Herzfunktion
Bei Herzstillstand können Sie eine Herzmassage versuchen, die jedoch bei großen Hunden aufgrund des kräftigen Brustkorbes äußerst schwierig ist. Knien Sie sich neben das Tier. Legen Sie nun beide Hände übereinander auf Herzhöhe (hinter dem Ellbogen) und pressen Sie rhythmisch, bestimmt und kräftig etwa 1x pro Sekunde. Jeder Herzstillstand ist kombiniert mit einem Atemstillstand! Daher muss zusätzlich eine Maul-Nasen-Beatmung durchgeführt werden. Die Faustregel lautet hierbei: 3x Herzmassage, 1x Beatmung im Wechsel.

Tierarzt verständigen
Kümmern Sie sich nun um tierärztliche Hilfe. Beschreiben Sie am Telefon möglichst ruhig und sachlich den Zustand des Tieres (Atmung, Herzfrequenz, Pulsfrequenz, Bewusstsein, Wunden, Verletzungen, andere Symptome wie Erbrechen, Durchfall, Speicheln, Zittern, Harnabsatz, Bauchblähung, …), damit dieser alles Nötige vorbereiten kann.

Transport-Vorbereitung
Erste Hilfe Hund Stabilisierung ist bei allen Traumata wichtig. Bei akuten Blutungen sollten Sie außerdem einen Druckverband anlegen. Decken Sie dazu die Wunde ab und legen Sie – falls vorhanden – Polstermaterial auf die Wunde (z.B. Watte, Kompressen, Tempos). Fixieren Sie nun mit einer Binde die Wunde mit so viel Druck, dass die Blutung stoppt.
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Sollten nachfolgende Körperteile stark abkühlen oder anschwellen, müssen Sie den Druckverband etwas lockern.

Passen Sie auch auf sich auf!
Jeder Notfall bedeutet für das Tier Stress, Angst und Schmerzen. Daher besteht die Gefahr für unangebracht heftiges, aggressives Verhalten. Bewegen Sie sich langsam und nicht hektisch. Sprechen Sie ruhig mit Hund und legen Sie ihm eine Leine an.

Autorin: Matina Raisch, Tierärztin

 

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Geschrieben am Freitag, 7. November 2014
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