Der will doch nur Spielen! Das Spielverhalten von Hunden Teil 2

 

Spielsignale und Charakteristika

Aus Spiel kann Ernst werden. Daher teilen spielende Hunde dem Spielpartner immer wieder mit, dass es sich um Spiel und nicht um Ernst handelt. Lernen Sie das Spielverhalten Ihres Hundes besser kennen, indem Sie auf typische Spielsignale achten. So können Sie schnell erkennen, ob Ihr Hund harmonisch spielt, ist oder ob das Spiel zu kippen droht.

Spielgeste Hund

Spielgeste beim Hund: Play Bow

 

Die typischen Spielsignale

Vorderkörper-Tief-Stellung
Eine typische Spielaufforderung unter Hunden ist eine Körperhaltung mit tief gestelltem Vorderkörper und aufrechtem Hinterkörper. Diese Körperhaltung wird als „play bow“ bezeichnet. Die Ohren des Hundes sind aufrecht nach vorne gestellt. Meist wedelt der Hund gleichzeitig mit dem Schwanz und manchmal bellt er auch, um den anderen Hund zum Spiel aufzufordern.

Unvorhersehbare Abfolge
Im Spiel werden Verhaltensweisen in unvorhersehbarer Reihenfolge kombiniert. So rollt sich ein Hund z.B. am Boden über den Rücken (Komfortverhalten), er rennt hinter einem anderen Hund her (Jagdverhalten), knurrt, bellt und beißt sanft (Aggressionsverhalten).

Ständiger Rollenwechsel
Während eines Spiels beobachtet man immer wieder einen Rollenwechsel. Der Jäger wird zum Gejagten und nach wenigen Augenblicken wechseln die Rollen erneut. Wird dagegen immer nur ein Hund gejagt, handelt es sich oft nicht um ein ausgeglichenes Spiel. Der gejagte Hund kann zum Mobbingopfer werden.

Darbieten verletzlicher Körperstellen
Hunde nehmen immer wieder Körperpositionen ein, bei denen sie besondere Körperstellen dem Spielpartner ungeschützt anbieten. Ein Hund liegt z.B. auf dem Rücken und demonstriert dem anderen Hund die verletzliche Halsunterseite. Häufig beißt der Spielpartner daraufhin auch in das Halsfell, verletzt den am Rücken liegenden Hund aber natürlich nicht.

Übertreibungen
Mimik und Gesten werden übertrieben schnell oder übertrieben stark gezeigt. So sieht man oft die weit aufgerissenen Mäuler spielender Hunde, die dabei oft auch viele Zähne zeigen. Dennoch sehen diese Gesten nicht aus wie bei tatsächlich aggressiver Absicht. Dafür sind sie viel zu übertrieben. Die starke Übertreibung der Mimik hat auch den Begriff der „Spielgesichter“ geprägt.

Wiederholungen
Verhaltensweisen werden ständig wiederholt. Der Hund lernt so, welche Reaktion dies bei seinem Spielpartner auslöst. Spielt ein Hund z.B. sehr grob und bricht der Spielpartner daher das Spiel regelmäßig ab, lernt der Hund sich künftig besser zu beherrschen und weniger grob zu spielen. Solche Lernvorgänge sind besonders in der Welpenzeit wichtig, damit der Hund die Beißhemmung lernt.

Fehlende Endhandlungen
Im Spiel fehlen typische Endhandlungen. Ein ausgiebiges Jagdspiel wird niemals mit dem Totschütteln des mitspielenden Hundes enden. Auch einer drohenden Spielgeste mit Fletschen der Zähne und Runzeln des Nasenrückens wird im echten Spiel nie ein ernstes Schnappen oder eine angstvolle Flucht folgen.

Jederzeit unterbrechbar
Ein Spiel kann immer von jedem beteiligten Hunden unterbrochen werden. Denn sobald ein Hund keine Lust mehr auf das Spiel hat, handelt es sich auch nicht mehr um ein Spiel. Ist ein Spielpartner erschöpft, liegen die miteinander spielenden Hunde oft kurz zur Entspannung nebeneinander oder trinken gemeinsam aus einem Wassernapf. Manchmal kommen Hunde auch schutzsuchend zu ihren Besitzern zurück, wenn der Spielpartner nicht eindeutig versteht, dass das Spiel nun zu Ende ist.

PRAXISTIPP: Rüpelhaftes Spiel

Manch junge Hunde sind regelrechte Draufgänge und spielen mit ihrem besten Freund – unter Beachtung der typischen Spielsignale – manchmal sehr grob. Aber ein besonders raues Spiel ist auf Dauer nicht immer ideal. Spielt der Rüpel immer nur mit einem anderen Rüpel oder mit einem Hund, der sich alles gefallen lässt und niemals erzieherisch einwirkt (das Spiel beendet, mal laut winselt oder kurz drohend schnappt), lernt der Hund nicht, dass er sich womöglich nicht korrekt benimmt. Im Lauf der Zeit kann der Hund eine immer unfreundlichere Art zu spielen entwickeln und findet immer weniger Spielpartner. Dies kann im weiteren Verlauf zu Frustration führen. Frustration ist ein häufiger Auslöser für Aggression, v.a. für erlernte Aggression.

Sehr rüpelhaft spielende Junghunde sollten daher auch mit Hunden in Kontakt kommen, die weniger grob spielen und dem Raudi auch gelegentlich und unmissverständlich zeigen, dass er sich nicht alles erlauben kann. Achten Sie daher darauf, dass besonders ihr Welpe und Junghund verschiedenste Spielpartner und so auch ein breites Repertoire an Spielweisen kennenlernt.

Vorschau
Trotz aufgehobener Hierarchien im Spiel und trotz des spielerischen Charakters, hat jedes Spiel Grenzen – auch unter Hunden. Ein Spiel ist nur solange ein Spiel, wie alle beteiligten Hunde Spaß daran haben! Lesen Sie in unserem nächsten Newsletter mehr über Grenzen des Spiels und warum das Spiel zwischen Hunden manchmal kippt.

Autorin: Matina Raisch, Tierärztin, Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie

 

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Geschrieben am Freitag, 5. September 2014
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